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Dr. Ulrich Barnickel
Die sieben Todsünden

Dr. Barnickel spricht im Video über sein Werk "Die Sieben Todsünden"

Raum für Interpretationen

Manchmal braucht Barnickel martialische Arbeitsgeräte, eine Baggerschaufel oder den Gabelstabler, um große Stahlbleche zu formen. Jedoch empfindet er Eisen nicht als "schweres Material": "Man muss es halt bearbeiten können", meint er lakonisch. Das hat er als Autoschlosser und Schmied gelernt, damit begann sein Weg, der ihn auch zum Studium der Metallbildhauerei in die Burg Giebichenstein (Halle) führte.

Obwohl er mit der DDR abgeschlossen hat, lobt er seine handwerkliche Ausbildung und unter anderem die dort erworbenen Kenntnisse der menschlichen Anatomie im Studium. Immer wieder betont er, dass seine Fähigkeit zur "figurativen Abstraktion" darin seine Wurzel habe.

Als der Künstler Mitte der 80er Jahre im Westen ankam, waren seine kunsthandwerlichen und künstlerischen Arbeiten nicht gefragt, sondern abstrakte und performative Künste. Die figurative Malerei der "Neuen Wilden", an die heute die Skulpturen und bemalten "Fahnen" Barnickels erinnern, war nur in Metropolen en vogue. So etablierte er sich in Osthessen als Designer, das hatte er ja in Halle gelernt. Ziemlich exotisch und zugleich humorvoll wirkende Eisenstühle in seinem Atelier erinnern noch an diese Phase. Einige Jahre lang hat er sogar sehr erfolgreich exklusive Läden eingerichtet, "aber irgendwann reichte mir das nicht mehr", sagt Barnickel, "und ich habe weiter meinen Weg gesucht..."

Ab 2000 widmete er sich nur noch seinen montierten figurativen Stahlskulpturen, wie viele Menschen sie mittlerweile vom "Weg der Hoffnung" kennen. Diese fast immer menschenartigen Figuren werden aus von ihm selbst oder industriell gefertigten Teilen (Schienen, Rohre) durch Schweißen verbunden. Der Bildhauer löst sich damit von seinen monolithischen und abbildhaften Objekten. Oft fehlen Details wie Gesichter. Die Körper seiner Figuren sind nun hohl und nicht geschlossen, so dass man in sie hineinsehen kann. Dadurch wirken die Gestalten leichter, sind ganz auf den Körperausdruck reduziert. In ihren "Gesten" werden elementare Gefühle wie Schmerz oder Unterwerfung sichtbar.

Raue Oberflächen sind Teil des Werkes, Arbeitsspuren wie die Schweißnähte werden nicht geglättet, Rostprozesse bewußt forciert. Die Patina verändert sich farblich von Honiggelb bei Sonnenschein bis zu tiefem Rotbraun nach längeren Regen. Betrachter können die Objekte auch ertasten, die nur leicht - etwa durch Entgraten - nachbehandelt werden, damit sich niemand verletzt. Die ohnehin häufig schon geschunden anmutenden Figuren wirken durch ihre vernarbten Häute noch verletzlicher. Jedoch kreiert Barnickel auch tanzende, lebensfreudige oder humorvolle Gestalten - und fast immer ist die Hoffnung in seinen Werken gegenwärtig.

Nach einem schweren Arbeitsunfall arbeitete der Bildhauer zwei Jahre lang mit Holz, aber das wurde nicht sein Material. Die expressionistisch wirkenden, monolithischen Figuren gerieten immer "länger und manirierter", wie der Künstler meint. Neben seiner Arbeit promovierte er 2007 an der Bauhaus Universität Weimar.

Dr. Ulrich Barnickels Arbeiten gehen Zeichnungen voraus, irgendwann baut er dann Modelle im Maßstab 1:10. "Aber die dann entstehenden großen Figuren wirken natürlich wesentlich kraftvoller", erklärt der Künstler. Auch wenn die Skulpturen uns gegenübertreten oder sogar größer sind, überwältigen sie formal und durch die Botschaft des Künstlers nicht. Sie sind offene Kunstwerke, die Raum für Interpretationen lassen und im Kopf der Betrachter vollendet werden. "Meine Themen sind der Umgang des Menschen mit der Schöpfung und die Befindlichkeit des Menschen", sagt Barnickel. "Das zu zeigen ist mein Teil zur Veränderung der Welt, das zu tun, ist mein Weg!"

Text von Hanswerner Kruse, www.kleinsassen.de

 

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